unzensiert

Hier werden die kleinen Geschichten aus der Schulzeit wiedergegeben, die Mitschüler oder -schülerinnen berichtet haben, ungeschönt und unzensiert.

Sommerzeit - Badezeit

Das ist das schöne an den neuen Medien, hier dem Internet, Gedanken und Erinnerungen können sofort veröffentlicht werden, ehe sie wieder versickern.  
Jetzt ist Badezeit.
Badezeit bedeutete in den 50er Jahren auch für die Schüler und -innen der Eintrachtschule oft ein Ausflug ins Freibad Schützenhof. Dieses war allerdings fast immer am Wochenanfang und montags wurde das Wasser gewechselt und das war deshalb auch immer sehr kalt. Oft gingen wir gemeinsam mit der Parallelklasse schwimmen. Jungen und Mädchen gemeinsam. Die Jungen, meistens in Klicken auftretend - Eppi, Käckel, Hörstken, Grabitz - oder Erich, Oppa, Watson, Willi usw. stürmten aus den Umkleidekabinen ins kalte Wasser; jeder auf seiner Weise entweder mit "Köpper" oder "Arschbombe". Da waren die Mädchen doch deutlich "gesitteter", weswegen sie auch erheblich weniger Ärger wegen ungebührlichem Benehmens bekamen. Vielleicht war aber auch in dem einen oder andern Fall die fortgeschrittene körperliche Entwicklung Grund für die Zurückhaltung. Wasserball haben wir auch mal probiert, was aber nicht so mein Fall war. Wichtig war zunächst einmal, dass alle Schüler und Schülerinnen schwimmen lernten und die manchmal vorhandene Scheu vor dem Wasser überwunden wurde. Nichtschwimmer verstanden es aber auch mit einem Kopfsprung ins tiefe Wasser zu springen und direkt am Rand des Schwimmbeckens wieder aufzutauchen. Wehe der Bademeister oder Lehrer Höher hat das mal mitbekommen. 
Sommerzeit war auch damals schon Badezeit. Dieter Fälker

 

Erich Brenne und seine Erinnerungen an die Schulzeit

Die Betrachtung der Fotos aus unserer mehr als 50 Jahre zurückliegenden Zeit in der Eintrachtschule zu Schwerte und die langen Telefonate mit Dieter Fälker und der wenige Kilometer von mir entfernt wohnenden Iris von Gottberg (Schmied-Kowarzik) haben auch bei mir längst verschüttet geglaubte Eindrücke und Wahrnehmungen geweckt, die ich an dieser Stelle schildern möchte und für die ich aber um Nachsicht bitte, wenn sie der Realität unserer gemeinsamen Schulzeit nicht immer entsprechen.
Der Einschulungstag war bestimmt durch ein großes Gewusel auf dem Schulhof, neben den  Kinder mit Zuckertüten gab es aber auch viele, deren Eltern es wohl kaum ermöglichen konnten, ihren Sprösslingen den ersten Schultag auf diese Weise zu "versüßen".  
Unser äußeres Bild entsprach wahrscheinlich dem der meisten Kindern dieser Zeit, die noch im Krieg geboren, zunächst in der Britischen Zone aufgewachsen und nun in der noch zu gründenden Bundesrepublik Deutschland als "I.-Dötzchen", in unserem Fall als "Ganzheitsmethodendötzchen", ihre Schullaufbahn beginnen sollten: ärmlich gekleidet mit z.T. zu weiten Hosen, zu langen Röcken und/oder geschickt umgearbeiteten Uniformteilen.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die steile Schultreppe, die wir in Hand in Hand mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler klassenweise erklimmen mussten.  
In den Klassenräumen standen lange Schulbänke mit Vertiefungen für unsere Griffel, die Tintenfässer mit den Klappdeckeln waren ein herrliches Spielzeug, um langweilige Stunden abwechslungsreich zu gestalten. Ob unsere Lehrer das auch so sahen?
Über all dem hing der Geruch des obligatorischen Bohnerwachses, wie er den schulischen Einrichtungen aus der Zeit vor dem Weltkrieg noch bis heute eigen ist, gemischt mit dem der täglich wechselnde Schulspeisung, die viele von uns in Kochgeschirren der ehemaligen Wehrmacht aufnahmen und manchmal vergeblich nach Schulschluss über lange Fußwege nach Hause retten wollten.  
Junge dynamische Lehrer, allen voran unser Herr Dorka, erwarteten uns. Lehrer, die sicherlich auch froh waren, der Katastrophe unseres Landes ohne erkennbaren Schaden entronnen zu sein und sich entschlossen zeigten, uns neben dem üblichen Fächerkanon wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Sachkunde und Religion so etwas wie demokratische Grundtugenden zu vermitteln, hin und wieder auch zur Bekräftigung mit kleinen Merkhilfen hinter den Ohren. Nach Unterrichtsschluss bastelten sie für uns aus Holz Anschauungsmittel zum Begreifen und Verstehen des kleinen "Einmaleins".
Als die ersten Bücher eingeführt wurden und wir nun tatkräftig im Chor lange Passagen lasen, erweiterte sich mehr und mehr unser Horizont. Die Geschichte von den sieben Raben, die im Schnee vergeblich nach Futter suchten und schließlich von Kindern verhungert aufgefunden wurden, beeindruckte die meisten ebenso wie die kleinen Lesetexte zu den Rädern, die rollen oder von den Strömen, die fließen.
Es gab aber auch "tragische" Erlebnisse, so etwa mit "heimtückisch" verschmierten Schiefertafeln oder abgebrochenen Griffeln die in der Regel bei den Betroffenen Verzweiflung und Tränen erzeugten.
Etwa ab der Klasse 5 hatten sich die "Jungs" mit einer sehr praxis- und lebensnahen Werkarbeit zu beschäftigen: An Aschenbecher und Kerzenständern und anderen nützlichen Gegenständen für die gehobene Wohnkultur erlernten wir den Umgang mit Hammer, Zange und Feile. An eigenen Gesangbüchern erprobten wir das Einfassen und Binden von Büchern und alle, die eine künstlerische Ader in sich verspürten, erhielten die Gelegenheit, "Elefantenhaut" mit Elementen der Frakturschrift zu verzieren. Unseren Mädchen dagegen blieb der Umgang mit Nadel, Faden und Strickutensilien vorbehalten, zu erkennen an ihrem Statussymbol, dem runden Handarbeitskorb mit gerüschtem Verschlusstuch und einer selbstgeflochtenen Tragekordel.
Im Deutschunterricht spielten unsere Klassiker eine hervorgehobene Rolle, so u.a. "Der Knabe im Moor", bei dem es vielen schauerte, "Der Erlkönig" oder der "Zauberlehrling". Selbstverständlich waren diese Werke auswendig und mit theatralischer Betonung zur Belustigung aller vor der Klasse zu präsentieren. Unvergesslich das Lesen des "Götz von Berlichingen" mit dem aufregenden Fensterzitat oder der "Wilhelm Tell" in verteilten Rollen und als Höhepunkt in der 7. oder 8. Klasse die Meistersprüche aus der "Glocke" von Schiller mit dem "Loch in der Erde, Bronze drin, Glocke fertig, bim, bim, bim."
Wen wunderte es dann, wenn Herr Krause, unsere gedämpfte Begeisterung für diese hohe Kunst der Literatur missverstand und Schlüssel und Kreide werfend in den Kellerräumen wilde Jagd hinter einigen "Kulturbanausen" veranstaltete, ohne diese jedoch zu erwischen.
Erinnern kann ich mich aber auch daran, dass, bedingt durch die schwierigen Lebensverhältnisse der damaligen Zeit, (Ernährung, Wohnraumsituation, Niveau der Gesundheitsvorsorge u.ä.), zeitweilig mehr als 60% der Schülerinnen und Schüler aus unserer Klasse dem Unterricht z.T. für längere Zeit fernbleiben mussten. Dennoch haben wir irgendwie die Geheimnisse der "Ding-Tu- und Wie-Wörter" ergründet und auch der Dreisatz mit den "x-Arbeitern, die an y-Tagen z-Steine" verarbeiten, erschloss sich uns auf seltsame Weise.
Wir mussten aber auch Abschied nehmen, von Brigitte Kimmel mit den blonden Zöpfen und dem kleinen Harry Schmoll, beide starben in den ersten Jahren unserer Schulzeit.  
Später verließ uns Brigitte Filbrich, die nach dem Tod ihrer Mutter fortziehen musste, dann nach der Klasse 4 die "Lyzen" Inge Wert, Renate Schäfer, Ingeborg Schwarze, Gerlinde Brettschneider und Heike Sieberg und die "Friedrich Bährens-Mannen", von denen mir nur noch Jörg Meckis in Erinnerung geblieben ist.
Unter Tränen nahmen wir Abschied von unseren Lehrer Dorka, der nach einer Zusatzausbildung an die Pestalozzi-Sonderschule in Schwerte wechselte.
Sein Nachfolger war Herrn Sieberg und später in den Klassen 7 und 8 Herrn Krause.
Herr Sieberg erschien mir solide und vertrauensvoll; sein Sportunterricht erschöpfte sich allerdings auf Fußball, bei dem er am Rande des Spielfeldes stand, seine Zigaretten Marke Gelbe Sorte rauchte und schlaue Kommentare abgab.
Für mich wurde der Sportunterricht und die jährlich abgehaltenen Bundesjugendspiele interessant, als es unserer Gitta Paschke gelang, mit ihren langen Beinen von Sieg zu Sieg zu sprinten.
Insbesondere in den höheren Klassen kamen aber auch interessante Schülerinnen und Schüler hinzu. So fällt mir besonders Elke Scheffler ein, die sich neben ihren etwas gekrausten blonden Haaren durch eine für uns damals nicht übliche College-Mappe auszeichnete.
Unter den Lehrkräften gab es auch eine junge Lehramtskandidatin, die sehr nett zu uns war, jedoch manchmal etwas seltsam wirkte, wenn sie mit zwei verschiedenen Socken im Klassenraum erschien und uns mit Liedern wie "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel...." erfreute und sich dabei selbst mit der Gitarre begleitete.
Unvergessen bleibt auch das Liebesverhältnis zwischen dem von vielen von uns gefürchteten Frl. Caspari (klein aber mit langen schwarzen Haaren) und dem Verschnitt eines englischen Lords, Herrn Höher.
Sicher war es nicht das was man Liebe nennen kann sondern eher verschämte und schwärmerische Blicke, harmlose Flirts, die so im Laufe der Klasse 8 für viele unserer "Jungs" unsere Mädchen in einem anderen Licht erscheinen ließen. Der Wandel in der Einstellung zu den "blöden Langmähnen" machte einer interessierten Aufmerksamkeit Platz, die aber selten offen gezeigt werden konnte
Im Jahre 1956 feierte unsere Schule mit einem großen Festakt im Freischütz ihr 50 jähriges Bestehen. Wochenlang wurde ein Laienspiel eingeübt, bei dem Günter Krell einen ewig hungrigen Diener spielte. Während der Aufführung, von den wenigsten bemerkt, fiel mit lautem Getöse eine Vorhangbefestigung auf die Bühne und Günter sorgte souverän dafür, dass alle Akteure trotz des großen Schreckens so weiterspielten, als sei nichts geschehen.

Im März 1957 nahmen wir dann, vielleicht ein wenig wehmütig, Abschied von der Schule und unserem Klassenverband. Wir wurden "hineingetreten in das Arbeitsleben", viele als Lehrlinge, u.a. bei der Bahn, den Nickelwerken oder der heimischen Geschäftswelt.
Unsere gemeinsame Volksschulzeit war nicht die einzige aber doch eine wichtige Zeit in unserem Leben, eine Zeit, die uns im Jahre 2002, an der Schwelle zum "Unruhestand", wieder zusammenführt, diesmal jedoch freiwillig.

 

Iris von Gottberg schreibt:

... 
Wirklich, mit der Einladung zum Klassentreffen der Klasse Dorka aus Schwerte ist euch eine wahre Überraschung gelungen. Sie hat einen Strom von Erinnerungen in Bewegung gesetzt, vor allem  Erinnerungen an den sympathischen Herrn Dorka. Einmal kam ich Bummlerin in der 1.Klasse gerade in der Schule an, als der Unterricht endete, sehr zum Vergnügen meiner vielen Mitschülerinnen und Mitschüler, die mich auslachten. Ich schluchzte laut auf, und Herr Dorka hob mich samt Ranzen auf den Schultisch, trocknete mit seinem großen Taschentuch meine Tränen und schrieb mir die Hausaufgabe auf die Schiefertafel.
Leider besuchte ich die Schwerter Eintrachtschule nur zwei Jahre.
....

Hänschen Horstmeier erinnert sich

Lehrer Krause
Ich weiß nicht mehr in welchem Schuljahr es war. Wir hatten noch offene Bänke. Es war Sommer, wir Jungen trugen alle Lederhosen. Ich hatte Sandalen an. Warum waren die eigentlich vorne offen? Klar, um einen Zirkel hineinzustecken. Also gemacht. Vor mir saß Opa (Günter) Hosang. Wo musste der Zirkel hin?? Richtig: "In dem seine Hose". Ein Aufschrei und schon kam Senfkorn Krause. Ohne große Diskussion bekam Er (Opa Hosang) einen Satz Ohrfeigen. Nachdem er sie erhalten hatte beschwerte sich dieser. So’n Feigling, nämlich jetzt bekam ich sie auch noch und musste Nachsitzen. Das einzige Gute an der Sache war, er (Senfkorn) hatte auch keine Lust länger zu machen. Also konnte ich auch nach 5 - 10 Minuten später nach Hause gehen.

Anmerkung von dem, der hinter Hänschen saß: Die Geschichte mit dem Zirkel kam von ganz hinten und ging immer weiter nach vorne. Pech für Günter, dass er ganz vorne saß.

Lehrer Sieberg
Ein toller Lehrer. Hatte Klumpfüße von der Kinderlähmung. Dadurch war er beim Gehen sehr beeinträchtigt. Also stand ich zu Schulbeginn vor dem großen Tor (Lehrertür) und stellte sein Fahrrad rein. Wenn ich dann mal wieder unberechtigter Weise von ihm in die Ecke gestellt wurde, habe ich am nächsten Tag sein Fahrrad nicht rein gestellt. Was war das Ende vom Lied? Ich bekam am nächsten Tag erneut einen angesagt.

Schulspeise
Wir Kinder in der ersten Klasse bekamen die sogenannte Schulspeise. Sie war kostenlos für alle Kinder. Wir hatten einen 1kg-Becher und dazu ein Essbesteck. Meine Eltern hatten mir gesagt: "Wenn du mal was nicht ißt, alles mitbringen."
Eines Tages gab es dann Tomatensuppe. Das war nichts für mich. Also wurde sie mit genommen. So zog die Meute nach Hause, Friedhelm Bussmann, Erich Gross, Casper Bühner, Gitta Paschke und ich. Ich mit meinem vollen Becher Tomatensuppe. Es ging schon einige Zeit so, daß Erich Gross an meinem Tornister zog und schubste. Unter dem kleinen Bogen angekommen, hatte ich die Schn... voll und schon war es geschehen. Erich Gross hatte ein rotes Gesicht und ich einen leeren Becher. Zu Hause angekommen, fragte die Mutter, warum der Becher nicht gespült war. Antwort: "Bin unterwegs gestolpert und gefallen." Alles klar. Nachmittags war ich am Stemmert zum spielen, plötzlich ging die Trillerpfeife. So wurde ich nach Hause gerufen. Ich kam in die Küche, wer stand da, meine Eltern, der Vater von Erich Gross und Erich Gross. Mit einem dicken Pflaster auf und über der Nase. Was war geschehen? Ich hatte ihm mit dem Becher das Nasenbein durchgeschlagen. Alles klar. Erich und sein Vater gingen, und dann ging das 6-Tagerennen um den Küchentisch mit manchem Koppeltreffer. Ja, ja so sah Erich Gross erst mal 14 Tage gut aus.

 

Dieter Fälker
Ausschnitte aus einem Aufsatz aus dem Jahre 1993

Denk ich an Schwerte...

...
dann gehe ich wieder den Schulweg von der Gartenstraße, die an dieser Stelle heute wohl Bohlgarten heißt, bis zur Eintrachtschule; dann stehe ich wieder unter dem langen Bogen, wie man in Schwerte die Eisenbahnunterführung am Bahnhof nannte; dann sehe ich den Bahnhofsvorplatz vor mir, mit seinen riesigen Bäumen, - heute stehen dort neben einem improvisierten kleinen Park nur Autobusse; dann sehe ich die zerbombte Fleitmann-Villa mit dem hohen Eisenzaun auf der andren Straßenseite neben dem Bahnhof liegen; dann höre ich, wenn ein Zug in den Bahnhof einfährt die Lautsprecherdurchsage vom Bahnhof: "Schwerte - hier ist Schwerte - Schwerte/Ruhr - hier ist Schwerte/Ruhr - hier ist Schwerte/Ruhr der Bahnsteig 2 - sie haben Anschluss an den Personenzug nach Iserlohn über ..."; dann gehe ich weiter die Bahnhofstraße entlang, an der Zeitungsbude vorbei, - auf der anderen Seite steht Althoff's "Klümkenbude" -, an der Eisdiele vorbei - oder ist die Eisdiele erst später hinzu gekommen? -, an Brauses Schreibwarengeschäft vorbei, und weil noch etwas Zeit ist, springe ich noch schnell mal zu Prott rüber um mir die Spielsachen anzusehen. Nun aber schnell zurück und die Eintrachtstraße entlang zur Schule. Auf diesem Schulweg kann ich mich an jeden Schritt erinnern.
...
Gleich neben uns, eine Haustür weiter, wohnten Selbach's mit den beiden Mädchen, Gretel und Bärbel. Bärbel ging mit mir in die gleiche Schulklasse und wenn es sich so ergab, dann gingen wir gemeinsam. War mir das peinlich, wenn uns ein Bekannter begegnete, aber eigentlich war Bärbel ein prima Kumpel.
...
Einige Jahre später, als ich nicht mehr in der Gartenstraße wohnte, wäre ich manchmal gerne mit Bärbel gemeinsam gegangen, aber dann wollte sie nicht mehr.
...

 

Hier ist noch viel Platz für eure Geschichtchen

 

 

© Heinz-Dieter Fälker zuletzt geändert:  04.11.12