Chronik der Klasse 1b der Eintrachtschule in Schwerte, Einschulung 1949

 

26.April 1949

Eintrachtschule, früher Sedanschule.
Einschulung für 109 Kinder. 55 davon kommen in die Klasse 1b. 4er Bänke - Schiefertafel. Der Lehrer scheint nett zu sein, Lehrer Dorka. Er erzählt den Eltern etwas von Ganzheitsmethode und so. Mit uns wird man es als erste Klasse an dieser Schule ausprobieren.  Nicht mehr das ABC wird gelernt, sondern gleich
Mama, Haus, Hans ...
Hierzu hat Lehrer Dorka Arbeitsblätter erstellt, nach denen gelernt wurde. Eine Mappe ist jetzt wieder aufgetaucht. 

Um einen Vergleich zu haben, wurde die Klasse 1a konventionell unterrichtet.

 

Zeichnungen von 2003

 

 

 

 

 

Und vergleicht man einmal die Arbeitsblätter von 1949 mit den Bildern aus dem Jahre 2003 (links), dann kann man kaum einen Unterschied erkennen.

 

Die Schule platzt aus allen Nähten. Über 800 Schüler sind einfach zu viel für dieses Gebäude.  Aber es klappt doch. Der Keller wird teilweise zu Schulraum umgebaut und die Klassen der älteren Schüler müssen auch mal nachmittags kommen.
Schulspeisung gibt es auch noch, deshalb haben wir neben dem Tafellappen an unserm Tornister auch noch den Henkelmann hängen, der auf dem Nachhauseweg auch mal zum Stichlinge fangen im Strang herhalten musste. 

Ende Oktober 1949

Das erste Halbjahr ist geschafft und das erste Zeugnis hat es auch schon gegeben. Na ja! Jetzt sind erst einmal Herbstferien.

 

1950 Irgendwann 1950 war die Zeit der Lebensmittelmarken zu Ende und damit auch die Schulspeisung. So verschwand dann auch der Geruch von Graupensuppe oder Eintopf aus der Schule. 
In einem Kellerraum der Eintrachtschule wurde das Essen ausgegeben, vom Hausmeister überwacht. Noch heute können sich einige der damaligen Schüler und Schülerinnen an den faden Geschmack erinnern und haben den Geruch des Essens in der Nase. 

 

 

 

Hier wird noch dran gearbeitet. Wer kann Infos liefern? Eure Mitarbeit wird hier dringend benötigt!!!

21. März 1957

Das ist das Datum auf dem Entlassungszeugnis. 8 Jahre Schule sind erfolgreich überstanden! 
Als nächste Etappe steht der Beruf bzw. die Berufausbildung an. 

 

ca. 1960 Ein erstes Klassentreffen findet in der Gastsstätte Emde statt. Lehrer Krause und sehr viele Schüler/innen der Klasse sind gekommen. Leider sind von dieser Veranstaltung keine Fotos und Berichte vorhanden. Auch die Initiatorin Gertrud Hahnefeld hat keine Bilder.  
Danach wurde zwar mehrfach der Versuch gestartet ein Klassentreffen zu organisieren, es ist jedoch nie gelungen.
13. April 2002 Klassentreffen im Freischütz in Schwerte. 29 Schülerinnen und Schüler verleben einen interessanten und fröhlichen Abend. Fotos sind im "Fotoalbum" zu finden. 
19.März 2003 Bis Heute hatte ich gehofft noch Unterlagen aus unserer Schulzeit bei den Schule in Schwerte zu finden. Leider hat sich diese Hoffnung nun zerschlagen. Sowohl die heutige FKS als auch die jetzige Eintrachtschule haben keine Unterlagen mehr, so dass davon ausgegangen werden muss, dass sowohl die Klassenbücher als auch die Schul-Zu-und-Abgänge nicht mehr vorhanden sind. Die Aufbewahrungsfrist ist auch längst abgelaufen. 
Heute bekam ich nun auch von der Eintrachtschule die negative Nachricht. Schade!! Umso mehr sind wir nun auf die Mithilfe aller ehemaligen Mitschüler angewiesen. 

Klassenlehrer dieser Klasse:
1. - 3. Schuljahr: Lehrer Friedrich DorkaU
4. - 7. Schuljahr: Lehrer Heinrich SiebergU1959
8. Schuljahr: Lehrer
Fritz KrauseU
Fachlehrer:
Lange, Kunstschrift
Becker, Werkunterricht
Gertrud Caspary (Höher), Englisch, Sport Mädchen
Höher, Sport Jungen
Bräuker, Naturlehre

Das Schuljahr.
Das Schuljahr begann im Frühjahr, 1. April oder Ostern.
Das zweite Schul-Halbjahr begann im Herbst.
Versetzungszeugnisse gab es im Frühjahr.

Wanderklasse
Wegen der Raumnot in der Eintrachtschule wurden einige Klassen zu Wanderklassen. Wir waren eine solche. Zeitweise waren wir im Gebäude der Friedrich-Kayser-Schule, dann in der Haselack-Schule und auch in der
Marktschule untergebracht. 

Fragestunde
Eine nützliche Einrichtung war die von Lehrer Sieberg eingeführte Fragestunde. Einmal wöchentlich konnten eine Schulstunde lang Fragen aus allen Bereichen gestellt werde, die dann gemeinsam beantwortet wurden. Viele Dinge des täglichen Lebens wurden hier beantwortet, banale und tiefschürfende. So erfuhren wir etwas über die Herkunft einzelner Namen, über Technik, Tagesthemen, sprachen über Natur, Weltall usw. Hier haben wir aber auch gelernt, dass die Dampfmaschine der stärkste Motor ist, dass ein Atom nicht geteilt werden kann, dass die Erdölvorräte in ca. zwanzig Jahren zu Ende gehen und das Steinkohle in fast unendlich großen Vorräten zur Verfügung steht. Die Urwälder sind unermesslich groß und liefern Holz auf unendliche Zeit, der Walfang ist notwendig und ein kleines Feuer hier oder da hat keinen Einfluss auf irgendetwas. Auch wenn das jetzt ironisch klang: wir haben auch gelernt mit Informationen kritisch umzugehen und neue Erkenntnisse zu bewerten. Jedenfalls hat diese wöchentliche Fragestunde das vorweg genommen, was heute solche Fernsehsendungen wie "Die Sendung mit der Maus" erledigen.

Turnunterricht 
Turnen erfolgte selbstverständlich nach Geschlechtern getrennt. Je nach Verfassung der Lehrperson war der Turnunterricht aufgelockerter oder steifer. So kam es, dass die Jungen über lange Zeit nur Fuß- oder Volleyball gespielt haben und die Mädchen ausschließlich Gymnastik machten. Beim nächsten Turnlehrer war dann wieder Geräteturnen und die Kletterwand angesagt. Eines muss man aber besonders lobend hervorheben: die Chance schwimmen zu lernen haben wir alle gehabt. Es war für die damaligen Verhältnisse schon als sehr fortschrittlich einzustufen, wenn wir wöchentlich mit einem Autobus bis zum Hallenbad nach Boele transportiert wurden um dort schwimmen zu lernen. Für die meisten Schüler oder Schülerinnen endete dieser Unterricht auch mit einem Freischwimmerzeugnis. 

Schulstreik
Nachdem in der Klasse 6 Jahre lang Mädchen und Jungen zusammen unterrichtet wurden, zumindest in den meisten Fächern, sollte im 7. Schuljahr die Geschlechtertrennung vorgenommen werden. Damit waren die Schüler und Schülerinnen nun aber gar nicht einverstanden und weigerten sich die Klassenräume zu betreten. Die Schulleitung lenkte ein und der Klassenverband blieb in seiner ursprünglich gemischten Form erhalten. Das war sicherlich kein spektakulärer "Klassenkampf", aber für das Jahr 1955 schon ganz schön selbstbewusst, finden wir. 

Aus dem Lesebuch 

Mirsa
 
Eines Tages sagte der Steiger zu mir: "Morgen mußt du Pferde treiben." Sofort fragte ich meinen Kumpel, ob das eine schöne Arbeit wäre. Er meinte: "Wenn du den Gaul kennst und er dich, dann ist das die beste Arbeit."

  Am andern Tag fuhr ich in die Grube und ging gleich in den Pferdestall. Er lag ungefähr zweihundert Meter vom Schacht entfernt. Hier standen wohl fünfundzwanzig Pferde, sie waren durch Schlagbäume voneinander getrennt. Über jede Pferdekrippe hing ein schwarzes Schild. Darauf waren die Namen der Pferde geschrieben.

  Ich ging zum Stallmeister und sagte ihm, daß ich ein Pferd haben müßte. Eine Lampe brauchten wir nicht, der Stall war elektrisch erleuchtet und weiß gekalkt. Der Stallmeister fragte mich, ob ich schon einmal mit einem umgegangen wäre. Als ich ihm sagte, daß ich nichts davon verstände, lachte er nur. Da wäre ich am liebsten umgekehrt; denn ich dachte: Was soll das werden?

  "Dann will ich dir Mirsa geben", sagte der Stallmeister. Ich besah mir den Gaul; er war silbergrau und hatte eine lange Mähne und einen schönen, langen Schweif. Der Stallmeister meinte: "Der weiß doch besser bescheid als du." Da war ich beruhigt. Er sagte noch: "Wenn er nicht gehorchen will, dann schlage ihn ja nicht, sonst drückt er dich an die Wand, wenn du mit ihm in der Strecke bist. Wenn du aber sein Freund werden willst, dann gib ihm ab und zu ein Stückchen Kautabak, darauf ist er ganz versessen. 

  "Ich legte meinem Mirsa das Geschirr an, gab ihm zu saufen, und als er genug hatte und sich umguckte, stiefelte ich mit ihm ab. Als wir den Stall hinter uns gelassen hatten, standen wir im Stockdunklen, nur ich hatte meine elektrische Lampe bei mir. Da - auf einmal blieb mein Mirsa stehen, und seine Augen funkelten. Ich sprach ihm leise ein paar Worte zu: "Komm, Mirsa!" Aber er schüttelte den Kopf. Ich wußte nicht, was ich anfangen sollte. Da kam der Steiger durch die Strecke: "Junge, du mußt hinter dem Gaul hergehen, die Lampe blendet ihn."  

Jetzt ging mein Mirsa tapfer zu, bis wir an unserer Arbeitsstelle angekommen waren. Hier standen schon viele volle Kohlenwagen. Der Steiger wies mich an: zehn volle Wagen sollte ich mitnehmen und ebenso viele leer wieder mitbringen. Wir waren zu mehreren Pferdetreibern, jeder hatte seine bestimmte Fahrt. Als ich Mirsa angespannt hatte, zählten wir zehn Wagen ab, den zehnten knebelte ich los. Dann setzte ich mich auf den ersten Wagen und rief: "Hui, Mirsa!" und führ langsam in die Sammelstelle. Unterwegs blieb er plötzlich stehen, all mein Rufen nützte nichts. Ich stieg ab; da sah ich, daß die Weiche nicht richtig lag. Ich lief hin und warf sie flink herum - da kam mein Mirsa von selbst an.

  An der Sammelstelle stand schon die Maschine, sie hatte uns viele leere Wagen mitgebracht. Im Nebengleis war eine lange Reihe von vollen Wagen zusammengekommen. Mein Kumpel winkte mit der Lampe. Das sollte heißen: Die Durchfahrt ist frei! Nun mußte mein Mirsa flotter laufe; denn die Strecke ging etwas bergab, und die Wagen rollten ihm dicht hinter den Hacken. Auf einmal trat Mirsa aus der Bahn heraus, und schon schlugen die hinteren Wagen auf die vorderen, daß es knallte. Da merkte ich, daß wir an unserm Ziel angekommen waren. Wieder hatte Mirsa es früher gemerkt als ich. Ich hob die Zugkette von den vollen Wagen ab und hängte sie an die leere und führ nach dem Ort zurück. Mit dem leeren Zug fahren, das gefiel meinem Mirsa besser. Er lachte ein paarmal.

  Am Ort sagte der Steiger zu mir: "Junge, mach, daß du die 'Vollen' wegkriegst, sonst können die nicht fördern!" Ich spannte Mirsa von dem leeren an den vollen Zug. Diesmal hatte ich bis auf den zwölften Wagen abgehängt. Ich rief: "Hui, Mirsa!" Er nahm einen kleinen Ruck, dann blieb er einfach stehen. Ich feuerte ihn an: "Los, Mirsa!" Er rührte sich nicht. Der Steiger fragte: "Wieviel Wagen hast du abgehängt?" "Zwölf", erwiderte ich. "Na dann kannst du ihn totschlagen, die läßt er dir bestimmt stehen." "Warum?" fragte ich. "Der Mirsa zählt beim Ziehen, mußt du wissen." Ich beguckte mir den Mirsa und dacht: Der ist wie ein Mensch! Der Steiger kam heran, ich sollte ihm helfen, er wollte das Pferd dabeikriegen. Wir ließen ihn erst den Zug mit zehn Wagen anziehen und hängten dann rasch noch 


zwei dazu. Aber Mirsa war schlauer als wir; er kümmerte sich um nichts, er ließ den Zug stehen. Da bekam der Steiger die Wut und warf ihm ein paar Kohlen auf den Rücken. Mirsa drehte sich um, als ob er sagen wollte: Wirf du nur! Ich hängte die beiden Wagen ab und ging zu ihm. Da merkte ich, daß er böse war. Er legte die Ohren spitz nach hinten, und seine Augen funkelten. Ich gab ihm ein Stück Brot und klopfte ihm den Hals. Dann redete ich ihm gut zu, und nun ging es vorwärts in die Sammelstelle. Als wir ankamen, hatten wir beide Zeit, und ich setzte mich und aß mein Butterbrot. Da mußte ich ihm etwas mitgeben. 

  Plötzlich spitzte er die Ohren. Da sah ich, daß die Maschine kam. Sofort drehte er sich auch um und wartete, bis ich ihm wieder einen leeren Zug angehängt hatte. Jetzt mußte er ziehen; denn die Wagen waren nicht ganz leer, einige waren mit Holz beladen. Diesmal hatten wir Pech. Einer von den alten "Schlitten" sprang immer wieder dem Gleis. Das gefiel auch meinem Mirsa nicht. Er drehte sich halb herum und stampfte mit den Füßen, während ich den "Schlitten" auf die Schienen zurücksetzte. Kaum hatte Mirsa gemerkt, daß ich den Wagen drauf hatte, da lief er im Trab weiter. Ich stellte mich in einen der Wagen und ließ fahren, was fuhr. Er hielt sich am Laufen, bis wir da waren, als ob er gewußt hätte, daß wir so viel Zeit verloren hatten. Der Steiger war zum Glück nicht bei der Hand, sonst hätte er mir ordentlich die Meinung gesagt. Ich spannte Mirsa rasch vor die "Vollen" und im Nu waren wir wieder weg. Diesmal hatte ich ihm ja auch nur zehn an die Zugkette gehängt.

  Wir hatten uns schon gut angefreundet. Mirsa war gar nicht mehr störrisch; er zog gleichmäßig durch, und kein Wagen fiel uns mehr dazwischen. Er war überhaupt viel eifriger und lachte ein paarmal. Unterweg traf ich einen Kumpel. Ich fragte ihn, wie spät es wäre. "Zwölf Uhr!" rief er mir nach. An der Sammelstelle ging ich zu meinem Mirsa und klopfte ihn freudig und sagte: "So, Mirsa, drei Züge müssen wir noch machen, dann haben wir Feierabend." Er spitzte die Ohren und schlug mit dem Schwanz. Hier kamen aus den Strecken viele Pferde zusammen. Als sie sich merkten, kamen sie sich mit den Köpfen näher und schmiegten sich aneinander und beleckten sich.


Als ich den letzten Zug holen wollte, hatte Mirsa keine Ruhe mehr. Einige Kumpel kamen mit ihren Lampen an uns vorüber, sie gingen dem Schachte zu. Da merkte ich, daß Mirsa mitwollte. Ich klopfte ihm den Hals und redete ihm gut zu; er aber schüttelte mit dem Kopf und schaute den Leuten nach, die zum Schacht gingen. Jetzt wollte ich die Zugkette einhängen, aber mein Mirsa lief schnell einige Schritte vorwärts. Ich zog an der Kette und rief: "Zurück, Mirsa!" Aber er trottelte ruhig weiter. Inzwischen kam der Steiger mit seinen Leuten. Als sie uns sahen, lachten sie. Der Steiger sagte: "Geh nur mit! An der Sammelstelle wartete Mirsa schon. Er weiß, daß er die Zugkette nicht mitnehmen darf." Als wir ankamen, stand mein Mirsa da und wartete. Ich legte ihm die Zugkette ab, dann gingen wir beide dem Pferdestall zu. Mirsa lief sofort an den Wassertrg; er mußte wohl großen Durst haben. Als er fertig war, brachte ich ihn zum Stallmeister und ging langsam zum Ausfahrtschacht. Da stand der Anschläger. Er fragte mich: "Wie hat dir das Pferdetreiben gefallen?" "Oh", sagte ich, "ich wollte, ich könnte immer mit Mirsa fahren."  


Karl Vaupel

 Heinz-Dieter Fälker zuletzt geändert:  04.11.12